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Über den Altbergbau im Bereich der Talsperre Pöhl

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In der Nähe der Ortschaft Jocketa, nur wenige Meter oberhalb der Elstertalbrücke, mündet die Trieb in die Weiße Elster ein. Von hier aus bis hin zur Staumauer der Talsperre Pöhl schuf der kleine Fluß im Laufe der Erdgeschichte eines der schönsten und romantischsten Täler des Vogtlandes. Im Diabas des Grundgebirges, welches geologisch im Bereich der Vogtländischen Hauptmulde liegt, schuf die Trieb im Laufe der Jahrmillionen ein kleines Kerbtal. Dieses schmale Tal beheimatet einige seltene Tiere- und Pflanzenarten und ist deshalb auch als Landschafts- und Naturschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Der Flußlauf ist teilweise durch Stromschnellen und große Felsbrocken gekennzeichnet. Zu beiden Seiten des Tals bildet der Diabas zum Teil mächtige Felswände, wobei der Loreley-Felsen auf der Joketaer Seite der bekannteste ist. Gegenüber liegt der Eisenberg, auf dessen Gipfel ( 435 über NN) sich der 14 Meter hohe Julius Mosen Turm befindet. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick über den Stausee bis zu den westlichen Ausläufern des Erzgebirges und in das obere Vogtland.



Bild rechts: Blick auf die Elstertalbrücke im Jan. 2012. Unterhalb des Standpunktes befindet sich im Tal die Einmündung der Trieb in die Weiße Elster.

Wie der Name ,,Eisenberg´´ schon verrät, hatte dieses Gebiet mit Bergbau auf Eisen zu tun. Der Bergrücken des Eisenbergs liegt zwischen der Weißen Elster und der Talsperre Pöhl. Dieser wird von einigen Erzgängen bevorzugt in Richtung SO - NW durchzogen. Hier wurde schon vor langer Zeit Bergbau betrieben. Wie alt diese bergmännischen Tätigkeiten sind kann heute nicht mehr mit Sicherheit gesagt werden.
Siedlungsreste auf dem Bergsporn weisen aber schon auf eine vorgeschichtliche Besiedlung hin. Diese begann etwa in der mittleren Bronzezeit und dauerte bis in die mittlere Eisenzeit hinein an. Also von ca.1300 bis 500 vor Chr.. Warum damals die Besiedlung endete ist nicht bekannt.
<<< Bild links zeigt die auf dem Bergsporn aufgestellte Tafel zur Besiedlungsgeschichte (zum Vergrößern bitte anklicken).

Hier auf der Fläche, wo die oben gezeigte Tafel aufgestellt ist, wurde im 19. Jahrhundert ein Huthaus errichtet, welches aber schon 1916 wieder abgerissen wurde.
Die Erzgänge führten als bauwürdige Erze vorallem Brauneisenstein und in größeren Tiefen auch Siderit. Die wichtigsten Gänge sind der
Frischauf Flachen, der Friede Gottes Flachen und besonders der Rosenkranzer Spargang. Auf ihnen bauten im Laufe der Zeit die verschiedensten Gruben; wie die,,Schaller Fundgrube´´, der ,,Schaller Stollen´´, der ,,Rosenkranz Stollen´´, der ,,Tiefer Neuglück Stollen´´, der ,, Hammerknock Stollen´´, sowie noch einige weitere das Erz ab.
An der Oberfläche zeigen noch heute etliche Halden und Pingen den Verlauf der Erzgänge an. Auch verfallene Stolleneingänge und Schächte lassen sich noch auffinden. So ist am Ende des Triebtales der ,,Rosenkranz Stollen´´ durch eine Tafel gekennzeichnet. Von hier aus wurde der Rosenkranzer Spatgang in Richtung der heutigen Staumauer abgebaut.

Rechts im Bild sind die Halde und Reste eines Tages-
schachtes
(Mulde links neben der Halde) zu sehen, welcher auf dem Rosenkranzerspat-Gang, im Bereicht der Schaller Fundgrube abgeteuft wurde.

Im mittlerem Bereich des Ganges baute die ,,Schaller Fundgrube´´ und der ,,Schaller Stollen´´ das Erz ab, und schließlich im oberen Talabschnitt, unterhalb der Staumauer am Tosbecken noch der ,,Alte Schaller Stollen´´. Diese Grubengebäude sind in Gangrichtung allesamt miteinander verbunden, so daß sich ein etwa 600 Meter langer Stollen ergibt, welcher den Eisenberg von einer Talseite zur anderen hin durchquert.
Auf der anderen Talseite, gegenüber vom ,,Alten Schaller Stollen´´ befindet sich der ,,Hammerknock Stollen´´. Auch dieser ist durch eine Tafel gekennzeichnet. 1958 wurde er beim Bau der Staumauer genutzt, um das Wasser der Trieb um die Baustelle herum durch den Berg umzuleiten. Dazu wurde der Stollen wieder freigelegt, ausgebaut und durch den Bergrücken bis oberhalb der Baustelle getrieben. So konnten die Gründungsarbeiten zum Bau der Fundamente der Staumauer durchgeführt werden. Heute dient er noch der Wasserwirtschaft als Kontrollstollen.



Nachfolgend zwei Ausschnitte aus der Freien Presse von 1958 (bitte anklicken).



Früher befand sich gleich oberhalb der heutigen Staumauer der Pöhler Hammer. Hier wurde zeitweise das Erz aufbereitet und zum Teil zu Roheisen verarbeitet. Den dazu benötigten Kalkstein baute man zum Teil gleich oberhalb der Ortschaft Pöhl, in der Nähe der Strasse nach Neudörfel ab. Diese Stelle ist heute als geologisches Naturdenkmal gekennzeichnet. Hier standen früher auch ein Kalkofen und die
Kalkwerkhäuser.
In der Zeit des Errichtens der Staumauer wurde der Pöhler Hammer dem Erdboden gleich gemacht.
Das selbe Schicksal erfuhr auch die Gemeinde Pöhl. Die Einwohner mussten Grund und Boden verlassen und sich wo anders eine neue Existenz aufbauen. 1964 wurde dann das Staubecken der Talsperre geflutet. Zum Andenken an das untergegangene Dorf Pöhl erhielt die Talsperre die Bezeichnung ,,Talsperre Pöhl´´. Viele Vogtländer nennen sie auch das ,,Vogtländische Meer´´. (siehe Bild unten)

Im Bereich der Talsperre finden wir aber auch noch an weiteren Punkten die Reste eines alten Bergbaus.. So lag westlich von Pöhl in Richtung des Pöhler Hammers die ,,Amalie Fundgrube´´ und östlich vom Dorf die ,,Rautenkranz Fundgrube´´ (beide heute unter Wasser). Etwa einen Kilometer weiter in Richtung SO befand sich die Grube ,,Gott gebe Glück´´. Weiter in gleicher Richtung befindet sich in der Bucht des Gölischbaches, unterhalb des Südhangs vom Bosenhübel, die Grube ,,Augustus Glück´´samt ,,Erbstollen am Gölischbach´´. Auch diese Gruben bauten auf Eisenerz.
Weiter oberhalb des Stausee´s, in Gansgrün beitrieb man früher auf der
,,Fuchs Fundgrube´´ Bergbau auf Eisen. Unterhalb vom Ort, in Richtung von Altensalz, befinden sich noch sichtbare Reste der Grube ,,Lauras Glück´´. Diese baute neben Eisen- auch noch Kupfererz ab.

Zwischen Gansgrün und Altensalz befinden sich im Tal, tief unter der heutigen Wasseroberfläche verborgen, Reste eines alten Bergwerkes, welches silberhaltigen Bleiglanz abbaute. Unterhalb des Ortes Altensalz befinden sich im Triebtal salzwasserhaltige Quellen, welche schon in sehr früher Zeit zur Salzgewinnung genutzt wurden. (Daher ist auch die Namensgebung von Altensalz und Neuensalz abgeleitet). Über die Anfänge der Salzgewinnung gibt es erste Unterlagen aus dem Jahr 1321. Über einem längen Zeitraum ruhte dann vermutlich die Salzförderung. Erst ab 1640 gibt es wieder nachweislich Aktivitäten in der Salzgewinnung, welche stets mit geringer Ausbeute und vielen Unterbrechungen bis etwa 1910 andauerten. Bei der erneuten Erschließung der Salzwasserquellen wurde 1640 auch der oben genannte Erzgang, der sogenannte Bleigang gefunden. Dabei fand man bislang unbekannte alte Grubenbaue und Stollen. Hier baute man wohl schon vor längerer Zeit den silberhaltigen Bleiglanz ab. Neben Bleiglanz führte der bis zu 25 cm breite Gang auch noch Kupfer- und Eisenerze.*





Geologisch interessant ist auch die gegenüber liegende Seite an der Talsperre. Hier stehen im Uferbereich an mehreren Stellen Ergußgesteine, welche als Pikrit bezeichnet werden, an. Die hier anstehenden
Pikrite sind schon stark zersetzt und werden als Schönfelsite bezeichnet. Auffällig ist das Auftreten von Augit in bis zu 1,5 cm großen Kristallen. Das Gestein selber ist mit zahlreiche Spalten durchzogen, auf welchen man mit etwas Glück schön ausgebildeten Kymatin, ein Hornblendeasbest finden kann.*

Im Bild oben:
Kymatin von der Fundstelle bei Altensalz. Die Stücke sind bis zu 13 cm groß. Das untere Stück besteht aus festem, massiven Kymatin. Die anderen zwei Stufen bestehen aus faserigem Kymatin welcher auf dem Grundgestein, dem Schönfelsit, aufgewachsen ist.




(*Literaturnachw.: Erleuterungen z. geol. Spezialk. d. Königr. Sachsen, Sektion Treuen-Herlasgrün; Blatt 134; 2. Aufl. 1913)

An der westlichen Seite der Talsperre befinden sich in den Wäldern zwischen Möschwitz und Altensalz weitere Reste des alten Bergbaus in Form von verfallenen Pingen und Halden. Auch von Altensalz über Voigtsgrün bis nach Plauen-Chrieschwitz befinden sich Erzgänge, auf denen schon vor langer Zeit Bergbau betrieben wurde. Neben Eisenerz wurde hier besonders Kupfererze abgebaut.

In der Mitte das letzten Jahrhunderts wurden die letzten bergbaulichen Aktivitäten oberhalb der Talsperre, im Gebiet von Zobes und Mechelgrün, durch die WISMUT durchgeführt.

Links zu weiteren Beiträgen über den Altbergbau in Gebiet der Talsperre Pöhl:

Bergbau am Langen Berg bei Voigtsgrün

Der Hammerknockstollen bei Pöhl (in Arbeit)

Bergbau bei Gansgrün
(in Arbeit)

Die Grube ,,Augustus Glück´´






Blick über die zugefrorene Talsperre Pöhl Anfang Februar 2012 in Richtung Staumauer.
Der Standpunkt der Aufnahme liegt im Bereich der Grube
,,Lauras Glück´´ bei Gansgrün.

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Letzte Änderung am 10. März 2012 | vogtlandkristall@web.de

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