Vogtlandkristall


Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


Die Minerale vom Stbr. Rentzschmühle, Teil 2

Fundstellen > Steinbrüche > Der Steinbruch Rentzschmühle

Die Cobalt-Nickel-Vererzung
Im zweiten Teil des Berichts über den stillgelegten Steinbruch Rentzschmühle möchte ich einige interessante Minerale der aufgetretenen Co-Ni Erze vorstellen. Diese Erze fanden sich im mittleren Bereich des Steinbruches in einer etwa nord-westlich verlaufenden Störungszohne.
Der zum größten Teil aus Dolomit bestehende Gang wechselte dabei ständig seine Mächtigkeit von wenigen cm bis zu etwa einem halben Meter Breite. In dem fast senkrecht anstehenden Gang trat die Vererzung bevorzugt in lokalen Anreicherungen nestartig oder auch in mehreren Zentimeter breiten Erzgängen auf. Bemerkenswert war das verstärkte Auftreten von Nickelin (Rotnickelkies). Die anderen Erze; wie Maucherit, Safflorit, Ni- Skutterudit (Chloantit), Rammelsbergit sowie ged. Arsen treten deutlich weniger auf. Als absolute Rarität gild der Fund von ged. Silber in kleinsten Locken!
Im Kontaktbereich zum Nebengestein fanden sich auch einige der im ersten Teil schon aufgeführten und beschriebenen Cu- Minerale, wie Malachit, Chrysokoll und Azurit.
Aus diese Mineralien entstanden in der Verwitterungszohne, auch Oxidations- und Zementationszohne genannt, einige interessante sekundäre Minerale; wie Annabergit, Erythrin, verschiedene Ni-Silikate und Arsenolith (Arsenblüte). In einem etwa zwei Quadratmeter großen Kontaktbereich zum Nebengestein (Diabas) bildeten sich die für diesen Steinbruch einmaligen Minerale, wie Brochantit, Posnjakit und Devillin in kleinsten Kristallen aus. Weitere Untersuchungen der Mineralproben stehen noch aus, so dass sicherlich noch andere, vor allem sekundäre Minerale, nachgewiesen werden können.

Oben im Bild ist der im April 2011 freigelegte Gang mit Ni-Erzen zu sehen. Hier fallen besondes die grünen Ni-Silikate im vorderen Bereich auf.
(Foto G. Hoffmann, Jena)

Die Minerale:

Nickelin (Rotnickelkies) war das Haupterz im Gang, wobei er in zwei Ausbildungsformen zu finden war. Fast immer trat das Mineral im Dolomitgang als derbe Anreicherung auf. Dabei ist das Erz an seinen Außenseiten meistens in Pecorait und noch nicht weiter bestimmten Ni-Silikaten umgewandelt. Diese Verwitterungsbereiche zeigen zum Teil einen schaligen Aufbau, wobei die Farbgebung vom metallischen Nickelin über schwarze, grau-blaue bis hin zum kräftigen grün des Pecorait's reicht. Selten war das Vorkommen von rundlich bis knollig ausgebildeten Nickelin. Einige dieser Nickelknollen wurden aufgeschnitten, geschliffen und poliert. Dadurch konnten auch Bereiche festgestellt werden, in denen Maucherit im Nickelin auftritt. Die größte Erzknolle hatte ein Durchmesser von bis zu 25 cm bei einem stattlichen Gewicht von fast 18 kg!

Bild rechts: anstehender Gang mit Nickelin (etwas links der Bildmitte).

Großes Bild unten: Gangstück (ca. 5 cm stark) mit Nickelin in Dolomit aus rechts abgebildetem Gang.

Im linken Bild ist ein etwa 12 cm messender Nickelerz-Brocken mit etwas Pecorait zu sehen, welcher aus dem Aufschluß im Bild ganz oben stammt.









Links ist ein etwa 19 x 17 cm großer Anschliff von Nickelin (Rotnickelkies) abgebildet.
Rammelsbergit (lichtgrau) ist teilweise im Nickelin eingelagert oder bildet um diesen einen schmalen Saum aus. Das Stück stammt von einer der größten und mit ca. 18 kg schwersten Erzknolle, welche im Steinbruch Rentzschmühle geborgen wurde. Diese wurde in mehreren Scheiben zersägt und poliert.
Unten wird das Erz von Calcit begrenzt. Das Ni-Erz selber umschließt eine Gesteinsbrexie, welche aus Dolomit, Calcit und etwas Nebengestein besteht.



Maucherit tritt immer in Paragenese mit Nickelin auf. Möglicherweise bildet Nickelin auch Pseudomorphosen nach Maucherit.


Bild rechts: Schönes, strahlig ausgebildetes Aggregat bei dem es sich vermutlich um eine Pseudomorphose (?) von Nickelin nach Maucherit handelt. Breite der Stufe ca 6,5 cm.
Bild rechts unten: Ausgezeichneter, strahlig ausgebildeter Maucherit auf einer aus Ni-Silikaten aufgebauten Stufe.
(Bildbr. 6 cm)
Bei der etwa 5 cm hohen, unten links abgebildeten Stufe zeigen sich schon deutliche Umwandlungs- und Zersetzungserscheinungen des Erzes.

Verschiedene Stufen der Umwandlung von Nickelin und/oder Maucherit in sekundäre Ni-Erze:

Die Reihenfolge der Bildbeschreibung: von oben links nach rechts und von unten links nach rechts:

1) relativ frisches Erzstück mit beginnender Umwandlung in Sekundärminerale (Stufenbreite 9,5 cm)
<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

2) deutliche Schwärzung der Erzes als Zeichen der Korrosion und deutliche Umwandlung in Sekundärmineralien im Außenbereich der abgebildeten Stufe (Stufenbr. 6,5 cm)

>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>





3) die fast vollständige Umwandlung des Ni-Erzes ist erreicht; nur noch kleine Bereiche (schwarz) sind erhalten (Stufenbr. 7 cm)
<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

4) die vollständige Umwandlung des Ni-Erzes (hier in Pecorait) ist abgeschlossen. (Stufenbr. 4,5 cm)
>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>


Seltene und zum Teil einmalige Minerale!

Eine kleine Erzlinse, welche vom Cossengrüner Mineraliensammler A. Krien entdeckt und mit viel Aufwand abgebaut wurde, lieferte einige für dieses Vorkommen spektakuläre Minerale, welche seitdem nicht wieder gefunden wurden.
Aus diesem Fund stammen auch einige der nachfolgend gezeigten Stücke, welche ich durch Tausch erwerben konnte.

(Diese Stufen sind gekennzeichnet mit :
Fund A. Krien).

Das unten abgebildete etwa 8 cm breite Gangstück besteht vorwiegend aus ged. Arsen und ist mit schmalen Bändern von
Ni-Skutterudit durchzogen. Die Stufe wird zum Teil mit einer feinen Kruste (grau-weiß) von Arsenolith als Sekundärbildung bedeckt. Interessant sind kleinere Drusen, welche mit ausgezeichneten Erythrin Kristallen ausgekleidet sind. Im rechten Bild die Vergrößerung einer ca. 1 cm breiten Druse aus der links abgebildeten Stufe. (Fund A. Krien)

Erythrin tritt vorwiegend als erdige Massen oder auch als feine Anflüge, sowie als Pusteln auf. Die unten links abgebildete, 4,5 cm breite Stufe, besteht aus Pecorait, Annabergit und Erythrin. Im Bild rechts daneben ist ein Ausschnitt einer 5,5 cm breiten Stufe mit kräftig gefärbten, pustelförmigen Erythrin abgebildet. (Bildbreite ca.2cm)


Annabergit trat in der Regel als grüne Massen und Anflüge auf. Selten fanden sich auch kleine, gut ausgebildete Kristalle.
Die Stufe unten links zeichnet sich durch einen abwechslungsreichen Aufbau verschiedenster Ni-Minerale aus. Oben auf dem etwa 9,5 cm breiten Gangstück befinden sich noch Reste von Dolomit. Darunter liegt eine drusige Lage aus
Safflorit. Der mittlere und untere Bereich der Stufe zeigt einen wechselnden Aufbau aus Ganggestein und verschiedenen Co-Ni-Erzen. Besonders im unteren Teil ist Annabergit (grau-grün) in kleinen Bereichen putzenartig eingelagert. Im Bild unten rechts ist die größere Druse der Stufe von links unten abgebildet, welche mit kleinen kristallinen Aggregaten von Annabergit** ausgekleidet ist. Die Druse hat eine Breite von etwas über 2 cm. (Fund A. Krien)







Arsenolith auf Annabergit**
(Bildbr. ca. 5 mm)









Rechts im Bild sind ausgezeichnete intermediäre Mischkristalle von
Annabergit und Erythrin auf Quarz** zu sehen. Die flach ausgebildete Druse befindet sich im Nebengestein des Erzganges. Die bis zu etwa 4 Millimeter (!) großen Kristalle dürften für den Steinbruch wohl einmalig sein. Interessant ist auch der Aufbau der Kristalle. An der Basis erscheinen diese als Erythrin und gehen zu den Kristallspitzen hin in Annabergit über.

Bei der links abgebildeten Stufe fallen die schuppig ausgebildeten Kristalle eines rosa gefärbten Minerals besonders auf. Hierbei handelt es sich nicht um Erythrin sondern um Annabergit. Dies belegt folgende EDX (fraction face) Analyse (Dr. W. Bär; 2013): Die Zusammensetzung des Minerals besteht aus: 4.1% Fe, 4,3% Mn, 21,7% Co, 25,4% Ni und 44,5%As. Trotz der rosafärbung der Kristalle dominiert Nickel gegenüber dem Cobalt.
Demnach handelt es sich hier um Annabergit! (Intermediäre Mischkristalle Annabergit/Erythrin)

Interessant sind auch die Pseudomorphosen von Ni-Silikaten nach dendritisch ausgebildetem Nickelin, welche von einem Saum aus Safflorit (silber-grau) umschlossen werden. Siehe auch Bild unten. (Breite der Stufe 6,5 cm; Fund A. Krien)
Im Anschliff unten ist die Umwandlung noch nicht abgeschlossen und es sind noch Reste von Nickelin erhalten. (Breite des Bildausschnittes etwa 4,5 cm)





Als Zersetzungsproduckt der Ni-Erze treten besonders reichlich Ni-Silikate, wie Pecorait und Garnierit auf. Diese Minerale treten als derbe, erdige Massen in teilweise kräftgen grünen Farben auf.


Eine dünne Kruste aus Chalcedon überzieht die rechts abgebildete 4,5 cm breite Stufe mit derb ausgebildeten Pecorait.


Ni-Skutterudit (Chloantit)
fand sich nur selten und nie in frei aufgewachsenen Kristallen. Derbe Anreicherungen des Minerals traten als massige Aggregate oder auch lagenförmig auf. Auf einigen Stufen konnten auch verzerrte Kristalle bis zu 5 mm Durchmesser gefunden werden, welche stets im Gangerz, meist in ged. Arsen, eingebettet vorliegen. So auch im mittleren Teil der rechts abgebildeten, etwa 12,5 cm breiten Stufe. Die silberweißen, durch starken Glanz auffallenden Kristalle haben einen Durchmesser von etwa 5 mm. (Fund A. Krien)


Gediegen Arsen
trat als massige Gangfüllung auf. Dabei ist das Auftreten von Arsenolith auf den Kluft- und Spaltflächen des Erzes typisch. Arsenolith bildete sich als Verwitterungsprodukt von Arsen und erscheint als weiße bis schmutzig graue Krusten und Überzüge, welche durch Vermischung mit Erytrin auch einen rosa Farbton zeigen.


Das Bild links zeigt eine 8,5 cm breite Stufe von ged. Arsen, welche teilweise mit Arsenolith überzogen ist. Begleiter sind oben Calcit und unten Dolomit.
Die Stufe mit Arsenolith (links unten) hat eine Breite von etwa 5 cm und ist durch Erythrin leicht rosa gefärbt.
Im Bild rechts unten ist ein 9,5 cm breites Gangstück von ged. Arsen mit Dolomit abgebildet. Hier zeigt sich besonderst schön die sekundäre Bildung von Arsenolith.
(Fund A. Krien)








So wie beim Annabergit (siehe oben) umsäumen auch bei der hier gezeigten Stufe (in diesen Fall noch unbestimmte) Ni-Erze ein dendritisch ausgebildetes Mineral. Hier erscheint Erythrin als eine Verdrängungspseudomorphose nach dendritisch ausgebildeten Nickelin. Weiterer Begleiter sind Anflüge von Annabergit. Die Breite der Stufe beträgt etwa 6,5 cm.
>>>>>>>>>>>>>>>>



Ged. Silber auf Safflorit** gehörte im Steinbruch Rentzschmühle zu den absoluten Seltenheiten!
Hier als winzige Locken bis ca. 0,5 mm Höhe.







Fahlerze
traten nur untergeortnet und selten auf. Die Gruppe winziger Kristalle von Tennantit auf dem rechten Bild ist in Dolomit eingebettet und hat einen Durchmesser von knapp 2 cm.













An einigen Stellen fanden sich auch sehr schöne Dedriten von
Psilomelan. Hier auf einer fast 7 cm breiten Stufe mit dem Ni-Silikat Pecorait.



Sekundärminerale aus dem Kontaktbereich:

Hin und wieder bildeten sich im Kontaktbereich des Erzganges verschiedene sekundäre Minerale aus.



Im Bild rechts:
Brochantit in kleinen Kristallen auf ca. 5cm breiter Stufe.


Bild links unten: Eine reich besetzte Stufe mit
Posnjakit (dunkelblau), Devellin (hellblau) und Brochantit (grün). (Bildbreite 5 cm)
Die gleiche Mineralparagenese befindet sich auf der rechts abgebildeten etwa 15 cm hohen Stufe.

Im Bild unten ein ca. 1,5 cm breiter Ausschnitt einer 11 cm breiten Stufe mit Posnjakit** (blau), Brochantit (in kugeliger Ausbildung, grün) und feinen nadligen Kristallen von Devellin**, welche in kleinen Büscheln angeordnet sind.

Sicherlich lassen sich durch genauere Untersuchungen des noch vorhandenen Materials weitere Minerale feststellen, wobei jedoch der Aufwand zum Nutzen abzuwägen ist.

Link zurück zu Teil 1

Fundmöglichkeiten:
Seit ein paar Jahren ist der Gesteinsabbau im Steinbruch Retzschmühle eingestellt. Alle Betriebsanlagen wurden abgerissen und demontiert. Dadurch bedingt sind gute Funde von Mineralien auf dieser einst so mineralreichen Fundstelle kaum noch möglich.
Das Vorkommen ist somit als historisch einzustufen.




(Jan. 2015)

Homepage | Übersicht | Vorschau und Ankündigungen | Aktuelles | Fundstellen | Bildergalerie | Impressum | Kontakte/Links | Site Map


letzte Änderung am 20. März 2018 | vogtlandkristall@web.de

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü