Vogtlandkristall


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Die Minerale vom Stbr. Rentzschmühle, Teil 1

Fundstellen > Steinbrüche > Der Steinbruch Rentzschmühle

Etwa auf halber Strecke zwischen Plauen und Greiz, südlich der Stadt Elsterberg entstand das wohl schönste und reizvollste Tal was die Weiße Elster im Vogtland geschaffen hat. Auf einer Länge von etwa 3 Kilometer schnitt sich der Fluss tief ins Gebirge ein. Hier im Steinicht ragen zu beiden Seiten des engen Tales immer wieder markante Felsklippen empor. Unten im Flusslauf dominieren große Findlinge und Felsbrocken. Verkehrstechnisch ist das Tal durch die Bahnlinie Greiz - Plauen erschlossen.
Besondes bei schönem Wetter ist dieses Gebiet ein beliebter Ort zum Wandern und Erholen. Die hoch aufragenden, steilen Felswände locken immer wieder Bergsteiger aus nah und fern an.



Bild rechts: Oberhalb der Rentzschmühle befinden sich im Tal der Weißen Elster, auf einem Bergsporn gelegen, die sehenswerten Ruinen der alten Burg Liebau. Diese wurde im Jahre 1327 erstmals urkundlich erwähnt.



Bild unten links: Einer der beliebtesten Kletterfelsen im Tal ist der Nelkenstein. Der Steinbruch Rentzschmühle befindet sich direkt an seiner linken Flanke. Das Bild unten rechts zeigt einen der hoch aufragenden Felsen im Tal des Steinicht.

Im oberen Abschnitt des Steinicht liegt auf thüringischem Gebiet einer der größten Steinbrüche des Vogtlandes. Unterhalb des Bahnhofes an der Rentzschmühle befindet sich der gleichnamige Steinbruch. In den letzten Jahren wurde der Bruch aufwändig in Richtung der Gemeinde Cossengrün erweitert, dann aber wegen Absatzschwierigkeiten stillgelegt. Alle betrieblichen Anlagen wurden demontiert, bzw. abgerissen. Ob und wann der Abbau wieder aufgenommen wird ist heute nicht zu beantworten.
Während der Betriebszeit wurden immer wieder schöne und gut ausgebildete Mineralien gefunden, was den Steinbruch weit über die Grenzen des Vogtlandes hinaus bekannt machte.

Bild oben:
Blick über den Steinbruch Rentzschmühle im Jahre 2003. Die rechts abgebildeten Betriebsanlagen sind heute nicht mehr vorhanden. Dahinter befindet sich das Felsmassiv des Nelkensteins.

Bild links:

Unterhalb der Birken (etwa Bildmitte oben) befindet sich der mit Nickelmineralen vererzte Gang.



Im gesamten Bruchbereich treten zahlreiche Gänge und Störungen mit den verschiedensten Mineralien auf. Die Gänge bestehen meist aus Calcit, Dolomit und/oder aus Quarz. In einigen Bereichen waren diese recht drusenreich und führten hauptsächlich Calcit- und Dolomitkristalle. Seltener fanden sich auch andere Minerale und Erze. Besonders im mittleren Teil des Steinbruchs traten in einer breiten Störungszone immer wieder interessante Anreicherungen der Bi-Co-Ni Vererzung auf.
Die unterste Abbausohle steht heute komplett unter Wasser, die Bruchwände sind zum Teil stark verwittert und es besteht akute Steinschlaggefahr. Ohne recht großen Aufwand ist deshalb kaum noch mit guten Mineralfunden zu rechnen.

Nachfolgend sollen die verschiedenen Minerale und Erze vorgestellt werden, wobei ich keinen Anspruch auf die Vollständigkeit erhebe.

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Calcit:

Calcit trat im Steinbruch in allen Bereichen auf und fand sich praktisch auf jeder Abbausohle. Besonders im rechten, alten Bruchbereich waren die Störungszonen und Gänge drusenreich. Während der Betriebszeit wurden hier immer wieder ausgezeichnete Stufen mit gut ausgebildeten Calcit Kristallen gefunden. Die Kristallgröße lag im Schnitt bei 1 bis 5 cm. Größere Kristalle (zum Teil bis über 10 cm) waren die Ausnahme. Als Kristallform tritt vorherrschend das Skalenoeder auf. Andere Kristallformen und Kristallkombinationen sind seltener vorgekommen. Charakteristisch für den Steinbruch Rentzschmühle sind auch Calcit Kristalle mit abgerundeten Kanten. Die Calcite haben eine weiße Farbe und sind meistens nicht transparent. Eingelagerter Hämatit verfärbt viele Kristalle oder auch nur Kristallbereiche, so dass diese eine rötliche bis rotbraune Färbung zeigen. Einige Calcite haben auch zart violette Farbzonen, welche vermutlich durch Manganeinlagerungen verursacht werden.




Das rechte Bild zeigt Calcit** (bis zu 5 cm Länge) auf Dolomit**. Die Kristalle zeigen ein gestörtes Kristallwachstum und die für den Steinbruch typischen Abrundungen der Kristallkanten.


Im Bild links unten ist eine absolute Rarität des Steinbruchs Retzschmühle zu sehen: Zwillingsbildungen von Calcit auf Calcit** (Bildbreite 4,5 cm)!

Bild unten rechts: Calcit** als Skalenoeder (Bildbreite etwa 6 cm).


Bild unten links: Bis zu 3 cm hohe Calcit Kristalleaggregate in zwei Generation. Auf der ersten Generation von Skalenoedern ist eine zweite Generation Skalenoeder aufgewachsen; vergleichbar mit einer Zepterbildung.

Unten rechts: Ein durch Hämatit und Mangan (?) gefärbter Calcit. Der 9,5 cm breiter Doppelender hat einen hohen Glanz und stammt aus einem Fund des Plauener Mineraliensammlers F. Saga. Einige Calcite dieses Fundes erreichten Größen von bis zu etwa 15 cm!

Foto oben: Calcit ** als Skalenoeder in bis zu 2 cm großen Kristallen.

Calcit Kristalle in Form des Kanonenspats sind im Steinbruch selten gefunden worden. Bildbreite 6 cm.


Das Bild unten zeigt eine ausgezeichnete Stufe (Breite 16 cm) mit Calcit Kristallen in Form des Skalenoeders. Im rechten oberen Bereich der Stufe sind diese Calcite auch beidseitig als Doppelenender ausgebildet.



Dolomit:

Nach Calcit war Dolomit das an häufigsten anzutreffende Mineral. Die rotbraune bis rötliche Verfärbung des Minerals beruht, wie auch beim Calcit, auf feinste Einlagerungen von Hämatit. Die Kristalle werden im Schnitt bis max. 1 cm groß. Vereinzelt traten auch Pseudomorphosen oder Perimorphosen von Dolomit nach Calcit** auf. Diese Kristalle können bis zu etwa 3 cm groß werden und sind in der Regel von einer weiteren Generationen Dolomit überlagert.







Calcit** auf Dolomit**, Breite der Stufe 12,5 cm








Calcit als diskenförmig ausgebildete Kristalle auf Dolomit**(Breite der Stufe 7,5 cm)






Bild unten: Dolomit** als Perimorphose nach Calcit**. Sehr schön sind die rot-braunen Einlagerungen von Hämatit ausgebildet. (Bildbr. 9 cm)



Quarz:

Quarz bildet im Bereich des Steinbruches nur untergeordnet größere Gänge oder Einlagerungen im Grundgestein. Der Gangquarz hat meist eine milchig weiße bis grau-weiße Färbung. Es wurden auch grünliche bis rotbraune Farbtöne gefunden. An Mineralien traten hier vor allem Quarzkristalle (Rauchquarz und Amethyst), Feldspat, Epidot, Chlorit und Eisenerze auf.

Bild oben links: Dieses drusig ausgebildete Stück aus einem Quarzgang (Breite 15 cm) enthält neben kleinen Bergkristallen im rechten Bereich auch etwas hellfarbigen Amethyst. Im linken Bereich wird das Innere der Druse durch Calcit und etwas Hämatit (rot) ausgefüllt.

Bild rechts oben: Dieser intensiv gefärbte Amethyst Kristall hat eine Höhe von etwa einem Zentimeter und ist teilweise mit einer dünnen Schicht kleinster Calcite überzogen.


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Im Bild links ist eine ausgezeichnete Stufe mit klaren Rauchquarzen (bis 6 mm Größe), welche auf Calcit** aufgewachsen sind, abgebildet. Die doppelendig ausgebildeten Quarze, mit trigonalem Habitus, besitzen nur ein sehr kurzes Prisma. Es handelt sich hier nicht um Hochquarz in Form hexagonaler Bipyramiden!
Im Bild darunter ist ein etwa 1 cm großer Rauchquarz neben einem angelösten Calcitskalenoeder abgebildet. Dieser Quarzkristall zeigt deutlich einen trigonalen Habitus.







Im Bild unten ist eine Stufe mit stark gerieften Quarzen auf Paradoxit** abgebildet. Die Quarze zeigen an ihrer Basis teilweise eine durch Einlagerungen von Clorit verursachten grünliche Verfärbung.(Breite des Bildausschnittes 9 cm)


Feldspat, Epidot, Chlorit:

Diese Minerale traten wie schon oben unter Quarz aufgeführt vereinzelt in den Quarzgängen auf. Da die Drusen meistens nur kleine Ausmaße hatten, wurden auch nur kleine Stufen oder Belegstücke dieser Minerale gefunden.

Bild rechts: Knollig ausgebildeter Chlorit, bis 1 cm Durchmesser, auf Feldspat**.

Bild links unten: Stufe mit kräftig fleischfarben ausgebildeten Paradoxit**. Die Stufe hat eine Breite von 6,5 cm.

Bild rechts unten zeigt eine Kleinstufe mit Adular** auf welcher Epidot** (bis zu 1 cm Länge) aufgewachsen ist.







Aragonit als Eisenblüte


Ein Einzelstück aus dem Steinbruch Rentzschmühle ist diese Aragonit Stufe (Breite ca. 3,5 cm); gefunden 1987 auf der zweiten Abbausohle im nördlichen Bereich des Steinbruches. Das Stück ist durch Hämatit leicht rot-braun verfärbt und lag lose in einer etwa 10 cm breiten Druse, welche mit Calcit**

(bis 1cm) in Skalenoeder-Form ausgekleidet war.

Cu - Minerale

Kupferminerale fanden sich während des Betriebszeit des Steinbruchs immer nur in kleinen Anreicherungen auf den Calcit- und Dolomitgängen. Kupferkies trat dabei nur selten auf, da er meistens schon in andere sekundäre Cu-Minerale umgewandelt wurde. So fanden sich körnige Aggregate von Kupferglanz und Cuprit in den Carbonatgängen zusammen mit etwas Malachit, Chrysokoll und auch Azurit.

Beide Bilder zeigen Cu-Minerale, welche im Gangmaterial oder in dessen Randbereichen auftraten.
Im oberen Bild sind körnige Aggregate von Kupferglanz, Cuprit und Reste von Kupferkies zu sehen, welche im Dolomit eingelagert sind. Breite der Probe etwa 9 cm.
Im linken Bild bilden sekundäre Cu-Erze, wie Kupferglanz, Malachit und etwas Chrysokoll zusammen mit Calcit und Dolomit eine Gangbrexie mit dem Muttergestein. Diese Stufe hat eine Breite von 12 cm.

Malachit in strahliger Ausbildung findet man mit viel Ausdauer und etwas Glück auch heute noch im Bereich der Störung mit der Cobalt-Nickel- Vererzung. Das gleiche trifft auch auf den noch viel seltener vorkommenden Azurit zu.

Malachit in strahliger Ausbildung auf einer Kluftfläche des Ganggesteins.(Bildbreite ca. 7 cm)

Reste von strahligen Malachit-Rosetten auf Ni-Silikaten.

Bild links oben:
Azurit und Malachit in strahliger Ausbildung auf einer Kluftfläche mit Ni-Silikaten (Bildbr. etwa 3 cm).

Bild oben rechts:
Azurit und Ni-Silikate als dünne Krusten auf Diabas (Stufenbreite 5 cm).






Das Bild rechts zeigt eine schöne Stufe mit strahlig ausgebildeten Azurit auf Ni-Silikat. Besonders im linken Bereich der 4,5 cm breiten Kleinstufe befinden sich noch Anreicherungen von Psilomelan.

Eisenerze
Von den Vertretern dieser Erzgruppe ist der Hämatit am meisten verbreitet und in fast allen Bereichen der Carbonatgänge vorhanden. In der Regel liegt er fein verteilt vor und verleiht den Carbonaten und weite Bereiche des Grundgesteins eine rötliche bis rotbraune Farbe. Selten wurden auch konzentrierte Anreicherungen von Hämatit beobachtet.

Das rechte Bild zeigt eine kräftig rot ausgebildete Hämatitanreicherung im Grundgestein (Breite der Stufe 5 cm).

Im Steinbruch Rentzschmühle sind nur wenige Stufen mit Goethit** in dieser ausgezeichneten Ausbildung gefunden worden. Die kammförmig verwachsenen Goethitnadeln werden zum Teil durch kleine weiße Dolomitkristalle bedeckt. Die Stufenbreite beträgt etwa 3 cm.

Auf dieser etwa 9 cm breiten Stufe mit Calcit** befindet sich etwas Glaskopf ( Limonit-Goethit), welcher teilweise von einer dünnen Kruste eines Ni-Silikates überzogen ist.



Weitere Minerale wie
Pyrit, Markasit und Kupferkies traten im Steinbruch nur selten und untergeordnet auf. Ab und zu fanden sich auch kleine Kristalle. Duch die Verwitterung vom Pyrit und Markasit bildeten sich auch kleine Gipskristalle.





Calcit** als 26 cm breite Stufe










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letzte Änderung am 20. März 2018 | vogtlandkristall@web.de

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