Vogtlandkristall


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Antimonerze aus dem Vogtland

Fundstellen > Sonstige Fundstellen

Fast jeder Mineraliensammler hat schon die Erfahrung machen müssen, daß die einheimischen Minerale (und hier besondes die Eigenfunde!) auf den Börsen in aller Regel unterbewertet werden. Freilich können die in unserer Heimat gefundenen Stücke in den meisten Fällen nicht mit der Qualität der Stufen aus dem Ausland mithalten, welche den Mineralienmarkt zum Teil ja regelrecht überfluten. In einigen Regionen der Welt werden Minerale in größeren Mengen bergmännisch für Mineralienmarkt abgebaut, welche dort zu nicht immer günstigen Preisen angeboten werden. So liefern einige Bergwerke und andere Fundstellen aus Brasilien, Marokko, China, Indien und Madagaskar jedes Jahr die Mineralien tonnenweise.
Durch dieses Überangebot sind viele der einheimischen Fundstellen nicht mehr so interessant und geraten zunehmend in Vergessenheit. Einige Mineralienfreunde verlieren sogar den Bezug zum aktiven Mineraliensammeln in der freien Natur. Sie werden zum einfachen Konsumenten.
Dadurch rücken die einheimischen Fundstellen weiter in den Hintergrund und geraten so in Vergessenheit. Nur wenige Mineraliensammler kennen diese noch und wissen die zum Teil interessanten Mineralienparagenesen zu schätzen.
Als Beispiel möchte ich hier die vogtländischen Antimonerzvorkommen nennen.
Die wichtigsten liegen im westlichen Teil des Vogtlandes, im Gebiet nord-westlich von Greiz. Im Raum von Klingenthal existieren ebenfalls Vorkommen. Bemerkenswert ist das Auftreten von Antimonit im Diabas des Steinbruchs bei Reimersgrün. Bei allen handelt es sich aber um recht kleine lokale Vorkommen, welche kaum bergmännisch genutzt wurden.
Die Antimonerzvorkommen bei Schleiz - Oberböhmsdorf hatten dagegen schon ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine größere wirtschaftliche Bedeutung und wurden auf verschiedenen Gruben bergmännisch abgebaut.
(zu den Schleizer Vorkommen werde ich den Bericht zu einem späteren Zeitpunkt erweitern)
Der eingestellte Bergbau auf Antimonerz, die Rekultivierung der einstigen Bergwerksanlagen sowie die Geringfügigkeit der noch vorhandenen Vorkommen erlauben heute kaum noch gute Funde von Antimonit im Bereich des Vogtlandes, so dass heute auf den Börsen kaum noch gute Belege oder gar Stufen angeboten werden.




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Die Fundstellen nord-westlich von Greiz:

Der Kuhbergbruch Neumühle
Der seit 1985 stillgelegte, heute zum großen Teil verwachsene und teilweise unter Wasser stehende Steinbruch liegt am Ausgang des Schlötenbachtales direkt am Ortsrand der Gemeinde Neumühle (an den sehr hohen Bruchwänden besteht akute Steinschlaggefahr!!!). Während seiner Betriebszeit lieferte er vor allem sehr gute Quarzstufen und die wohl besten Antimoniterzstufen dieser Gegend. Oberhalb des Steinbruchs befindet sich im Wald ein kleiner verwachsener Aufschluss, in welchem Antimoniterze im Gangquarz vorgekommen sind.
Dieser Steinbruch, sowie die Fundstelle an der Teufelskanzel, der Altbergbau am Silberberg bei Kleinreinsdorf und der offen gelassene Steinbruch Steinhübel, im Waldgebiet zwischen Neumühle und Waldhaus gelegen, liegen am Südostrand des Bergaer Sattels. Die in diesem Gebiet anstehenden Gesteine der Frauenbachserie bieten uns in den hier auftretenden Störungszonen eine interessante Paragenese der verschiedensten Antimonmineralien.
(Einen ersten Bericht von Dr. W. Zahn und Dr. N. Brosig über den Kuhbergbruch finden Sie in der ,,MINERALIEN - WELT´´; Heft Nr. 6, Nov. - Dez. von 1991, auf den Seiten 70 bis 75).




Antimonit**
und Metastibnit auf etwa 9 cm breiter Stufe. Der Bildausschnitt beträgt ca. 3,5 cm.( Bild oben).


Antimonit** in bis zu 8 cm hohe Kristallgarben auf Quarz** ( Bild unten).


Es ist anzumerken, daß frei in Drusen ausgebildete Antimonitkristalle relativ selten auftraten. Fast alle Kristalle sind im Wachstum stark gestört. In der Regel ist der Antimonit in den Erzgängen strahlig ausgebildet und konnte so bis zu Dezimeter große ,,Antimonit-Sonnen´´ ausbilden. Die Paragenese mit Metastibnit lag nur in den oberen Abbausohlen vor.
Äußerst interessant war das sehr seltene Auftreten von
ged. Gold in kleinsten Aggregaten auf Antimonit.
Leider liegen die Antimonit führenden Gänge heute unter Wasser, so daß keine Fundmöglichkeiten mehr bestehen.

Zwei kleine Kabinettstücke mit fast identischer Mineralienparagenese, in doch völlig gegenteiliger Ausbildung:




Jamesonit**
auf Quarz*
( linkes Bild, Kristallhöhe ca 3 cm).
Die Jamesonit Nadeln spießen wiederum kleinste Quarzkristalle regelrecht auf, siehe unten links.


Im rechten Bild ist ein 6,5 cm hoher Bergkristall mit eingelagerten Jamesonitnadeln abgebildet, welche zum Teil schon in Bindheimit umgewandelt sind (Vergrößerung rechts unten).

Zinckenit**
und Antimonit traten in der Regel zusammen, teilweise auch auf kleinen Quarzkristallen auf. Die bis zu etwa einem Zentimeter langen, längsgestreiften Kristallnadeln zeigen eine typische grauschwarze Farbe, zum Teil mit den verschiedensten Anlauffarben.
Die abgebildete Stufe hat eine Breite von ca. 7 cm.

Boulangerit** und Jamesonit treten fast immer zusammen mit Antimonit auf. Optisch lassen sich beide Minerale meistens nur schwer unterscheiden.
Die abgebildete Boulangerit Druse in Quarz hat ein Durchmesser von ca. 3 cm.


Bindheimit und andere Antimonocker treten recht häufig in den Antimonerzgängen auf. Diese Minerale entstanden durch die Umwandlung und Verwitterung der Antimonerze und bilden dabei oft schöne Pseudomorphosen nach diesen aus.








Auf dem rechten Foto sind bis zu etwa 3 cm lange, strohgelbe Pseudomorphosen von Bindheimit nach Jamesonit** auf Quarz abgebildet. Links im Bild sind die Übergänge von Jamesonit in Bindheimit zu sehen.






Semseyit wurde im Steinbruch lediglich in derber Ausbildung und auch nur selten angetroffen. In den meisten Fällen ist er schon in Antimonocker umgewandelt.

Altbergbau am Silberberg bei Kleinreinsdorf

Bereits ab 1719 wurden östlich von Neumühle, am Silberberg bei Kleinreinsdorf, bergmännische Tätigkeiten zur Gewinnung von Silber im Auftrag der Reußischen Münze durchgeführt. Auf den hier anstehenden schmalen Antimonerzgängen wurde das Edelmetall aus dem reichlich vorgekommenden Bleiglanz gewonnen. Die alten Gruben arbeiteten aber nie wirtschaftlich. 1858 wurde der Bergbau dann eingestellt. Im ersten Weltkrieg und 1938 erfolgten letzte erfolglose Versuche auf die Gewinnung von Antimonerzen. 1950 suchte dort die SDAG Wismut erfolglos nach Uran.
(Litt.: Diethard Fricke: Das Vogtland um Greiz, Seiten 92/93)
Interessant ist das Auftreten von schönem
Zinckenit** und besonders von zum Teil gut auskristallisiertem Semseyit**. Semseyit findet sich auch heute noch in einem kleinen Stollen in derber Ausbildung, welcher zum Teil auch schon in Antimonocker umgewandelt vorliegt.



Das Bild links oben zeigt gut ausgebildete Zinckenit Nadeln von bis zu 1 cm Länge.



Auf dem linken Foto sind neben etwas Zinckenit vor allem Semseyit, teilweise auch in Kristallen, abgebildet. ( Bildbr. etwa 4,5 cm)

Steinbruch Steinhübel

Tief im Wald zwischen Neumühle und Waldhaus / Greiz liegt ein alter Steinbruch in welchem noch Antimonerze gefunden werden können. Es handelt sich dabei um Antimonit (selten **) und um Antimonocker. Ab und zu konnte auch etwas Metastibnit beobachtet werden. Das interessanteste Mineral dieser Fundstelle sind die kleinen, aber sehr schön ausgebildeten Kristalle von Senarmontit**.

Teufelskanzel

Unterhalb der Teufelskanzel befindet sich ein kleiner, offengelassener Steinbruch. Hier konnte ich 1987 und 1988 einige schöne Stücke mit Antimonit** bergen, welcher teilweise schon in Antimonocker übergeht.(Breite der abgebildeten Stufe etwa 12 cm). Auch im Bereich des Felsens der Teufelskanzel lassen sich Antimonocker zusammen mit Quarz** (auch als Bergkristalle; zum Teil auch Zepterquarze) finden.

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Weitere vogtländische Vorkommen:

,,St. Peter´´, Kottenheide

Die kleine Ortschaft Kottenheide liegt mitten im Waldgebiet zwischen Klingenthal und Schöneck. Direkt am Ortsrand in Richtung Klingenthal befinden sich die Überreste der alten Grube ,,St. Peter´´. Mit etwas Geduld lassen sich hier noch Erzstücke mit Antimonit, mit Metastibnit und mit Antimonocker finden. Das interessanteste Mineral dieser Fundstelle ist aber Berthierit. Alle vier Minerale kommen in der Regel zusammen vor.




Die beiden abgebildeten Stufen sind 4,5 bzw. 5 cm breit und zeigen die oben aufgeführten Minerale.

Steinbruch Reimersgrün

Bemerkenswert ist das Auftreten von Antimonerzen im Diabas des Steinbruchs bei Reimersgrün. Antimonit** wurde in kleinen Kristallnadel, welche im Calcit** eingewachsen sind vorgefunden ( siehe Bilder). Äußerst selten wurden auch kleine Stufen mit frei ausgebildeten Antimonit Nadeln in Millimetergröße gefunden. Ein bisher einmaliger Fund zeigt sogar kleine Kristalle von Senarmontit**. Auch der Fund von Antimonocker, pseudomorphos nach Antimonit** ist für diesen Steinbruch als bisher einmalig anzusehen.

Bild oben links: Antimonit** in Calcit**( Bildbreite 7,5 cm), rechts daneben ein 1,5 cm breiter Ausschnitt der Stufe.
Im Bild unten links ist eine Pseudomorphose von Antimonocker nach Antimonit** abgebildet (Bildbr. etwa 5 cm).
Das Foto unten rechts zeigt eine Rarität aus den Steinbruch Reimersgrün: frei auskristallisierter Antimonit auf Calcit (Stufengröße ca. 3,5 x 1,5 x 1 cm).

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letzte Änderung am 22.Januar 2018 | vogtlandkristall@web.de

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