Vogtlandkristall


Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


Antimonerze aus dem Vogtland

Aktuelles

Fast jeder Mineraliensammler hat schon die Erfahrung machen müssen, daß die einheimischen Minerale auf den Börsen in aller Regel unterbewertet werden. Dies betrifft besonders die selbst gesammelten Minerale. Freilich können die in unserer Heimat gefundenen Stücke in den meisten Fällen nicht mit den Qualitäten der Stufen aus dem Ausland mithalten, welche den Mineralienmarkt zum Teil ja regelrecht überfluten. Teilweise werden die Minerale in großen Mengen auch bergmännisch nur für den Mineralienmarkt abgebaut, so das diese Minerale zu recht günstigen Preisen angeboten werden.
Durch dieses Überangebot sind viele der einheimischen Fundstellen nicht mehr so interessant und geraten zunehmend in Vergessenheit. Einige Mineralienfreunde verlieren sogar den Bezug zum aktiven Mineraliensammeln in der freien Natur. Sie werden zum einfachen Konsumenten.
Leider betrifft es auch einige der vogtländischen Fundstellen.
Nur wenige Mineraliensammler kennen diese noch und wissen die zum Teil interessanten Mineralienparagenesen zu schätzen.
Als Beispiel möchte ich hier die vogtländischen Antimonerzvorkommen nennen.
Die wichtigsten liegen im westlichen Teil des Voglandes, im Gebiet nord-westlich von Greiz. Im Raum von Klingenthal existieren ebenfalls Vorkommen. Bemerkenswert ist das Auftreten von Antimonit im Diabas des Steinbruch´s bei Reimersgrün.



********************************************************

Die Fundstellen nord-westlich von Greiz:

Der Kuhbergbruch Neumühle
Der seit 1985 stillgelegte, heute zum großen Teil verwachsene und teilweise unter Wasser stehende Steinbruch liegt am Ausgang des Schlötenbachtales direkt am Ortsrand der Gemeinde Neumühle (an den sehr hohen Bruchwänden besteht akute Steinschlaggefahr!!!). Während seiner Betriebszeit lieferte er vor allem sehr gute Quarzstufen und die wohl besten Antimoniterzstufen dieser Gegend. Oberhalb des Steinbruch´s befindet sich im Wald ein kleiner verwachsener Aufschluß, in welchem Antimoniterze im Gangquarz vorgekommen sind.
Dieser Steinbruch, sowie die Fundstelle an der Teufelskanzel, der Altbergbau am Silberberg bei Kleinreinsdorf und der offengelassene Steinbruch Steinhübel, im Waldgebiet zwischen Neumühle und Waldhaus gelegen, liegen am Südostrand des Bergaer Sattels. Die in diesem Gebiet anstehenden Gesteine der Frauenbachserie bieten uns in den hier auftretenen Störungszonen eine interessante Paragenese der verschiedensten Antimonmineralien.
(Einen ersten Bericht von Dr. W. Zahn und Dr. N. Brosig über den Kuhbergbruch finden Sie in der ,,MINERALIEN - WELT´´; Heft Nr. 6, Nov. - Dez. von 1991, auf den Seiten 70 bis 75).




Antimonit**
und Metastibnit auf etwa 9 cm breiter Stufe ( Bild oben).
Antimonit** in bis zu 8 cm hohe Kristallgarben auf Quarz** ( Bild unten).


Es ist anzumerken, daß frei in Drusen ausgebildete Antimonitkristalle relativ selten auftraten. Fast alle Kristalle sind im Wachstum stark gestört. In der Regel ist der Antimonit in den Erzgängen strahlig ausgebildet und konnte so bis zu Dezimeter große ,,Antimonitsonnen´´ ausbilden. Die Paragenese mit Metastibnit lag nur in den oberen Abbausohlen vor.
Äußerst interessant war das sehr seltene Auftreten von ged. Gold in kleinsten Aggregaten auf Antimonit.
Leider liegen die Antimonit führenden Gänge heute unter Wasser, so das keine Fundmöglichkeiten mehr bestehen.

Zwei kleine Kabinettstücke mit fast identischer Mineralienparagenese, in doch völlig gegenteiliger Ausbildung:

Jamesonit**
auf Quarz*
( linkes Bild, Kristallhöhe ca 3 cm).
Die Jamesonitnadeln spießen wiederum kleinste Quarzkristalle regelrecht auf, siehe unten links.


Im rechten Bild ist ein 6,5 cm hoher Bergkristall mit eingelagerten Jamesonitnadeln abgebildet, welche zum Teil schon in Bindheimit umgewandelt sind (Vergrößerung rechts unten).

Zinckenit**
und Antimonit traten in der Regel zusammen, teilweise auch auf kleinen Quarzkristallen auf. Die bis zu etwa einem Zentimeter langen, längsgestreiften Kristallnadeln zeigen eine typische grauschwarze Farbe, zum Teil mit den verschiedensten Anlauffarben.
Die abgebildete Stufe hat eine Breite von ca. 7 cm.

Boulangerit** und Jamesonit treten fast immer zusammen mit Antimonit auf. Optisch lassen sich beide Minerale meistens nur schwer unterscheiden.
Die abgebildete Boulangeritdruse in Quarzt hat ein Durchmesser von ca. 3 cm.


Bindheimit und andere Antimonocker treten recht häufig in den Antimonerzgängen auf. in der meisten Fällen liegen sie als Pseudomorphosen nach den anderen Antimonmineralien vor.








Auf dem rechten Foto sind bis zu etwa 3 cm lange, strohgelbe Pseudomorphosen von Bindheimit nach Jamesonit** auf Quarz abgebildet. Links im Bild sind die Übergänge von Jamesonit in Bindheimit zu sehen.






Semseyit wurde im Steinbruch lediglich in derber Ausbildung und auch nur selten angetroffen. In den meisten Fällen ist er schon in Antimonocker umgewandelt.

Altbergbau am Silberberg bei Kleinreinsdorf

Bereits ab 1741 wurden östlich von Neumühle, bei Kleinreinsdorf, bergmännische Tätigkeiten zur Gewinnung von Silber im Auftrag der Reußischen Münze durchgeführt. Auf den hier vorkommenden Antimonerzgängen wurde das Edelmetall im reichlich auftretenen Bleiglanz vermutet.
Interessant ist das Auftreten von schönem
Zinckenit** und besonders von zum Teil gut auskristallisiertem Semseyit**. Semseyit findet sich auch heute noch in einem kleinen Stollen in derber Ausbildung, welcher zum Teil auch schon in Antimonocker umgewandelt vorliegt.



Das Bild links oben zeigt gut ausgebildete Zinckenitnadeln von bis zu 1 cm Länge.



Auf dem linken Foto sind neben etwas Zinckenit vorallem Semseyit, teilweise auch in Kristallen, abgebildet. ( Bildbr. etwa 4,5 cm)

Steinbruch Steinhübel

Tief im Wald zwischen Neumühle und Waldhaus / Greiz liegt ein alter Steinbruch in welchem noch Antimonerze gefunden werden können. Es handelt sich dabei um Antimonit (selten **) und um Antimonocker. Ab und zu konnte auch etwas Metastibnit beobachtet werden. Das interessanteste Mineral dieser Fundstelle sind die kleinen, aber sehr schön ausgebildeten Kristalle von Senarmontit**.

Teufelskanzel

Unterhalb der Teufelskanzel befindet sich ein kleiner, offengelassener Steinbruch. Hier konnte ich 1987 und 1988 einige schöne Stücke mit Antimonit** bergen, welcher teilweise schon in Antimonocker übergeht.(Breite der abgebildeten Stufe etwa 12 cm). Auch im Bereich des Felsens der Teufelskanzel lassen sich Antimonocker zusammen mit Quarz** (auch als Bergkristalle; zum Teil auch Zepterquarze) finden.

**********************************************************

,,St. Peter´´, Kottenheide

Die kleine Ortschaft Kottenheide liegt mitten im Waldgebiet zwischen Klingenthal und Schöneck. Direkt am Ortsrand in Richtung Klingenthal befinden sich die Überreste der alten Grube ,,St. Peter´´. Mit etwas Geduld lassen sich hier noch Erzstücke mit Antimonit, mit Metastibnit und mit Antimonocker finden. Das interessanteste Mineral dieser Fundstelle ist aber Berthierit. Alle vier Minerale kommen in der Regel zusammen vor.




Die beiden abgebildeten Stufen sind 4,5 bzw. 5 cm breit und zeigen die oben aufgeführten Minerale.

**********************************************************

Steinbruch Reimersgrün

Bemerkenswert ist das Auftreten von Antimonerzen im Diabas des Steinbruch´s bei Reimersgrün. Antimonit** wurde in kleinen Kristallnadel, welche im Calcit** eingewachsen sind vorgefunden ( siehe Bilder). Äußerst selten wurden auch kleine Stufen mit frei ausgebildeten Antimonitnadeln in Millimetergröße gefunden. Ein bisher einmaliger Fund zeigt sogar kleine Kristalle von Senarmontit**. Auch der Fund von Antimonocker, pseudomorphos nach Antimonit** ist für diesen Steinbruch als bisher einmalig anzusehen.

Bild oben links: Antimonit** in Calcit**( Bildbreite 7,5 cm), rechts daneben ein etwa 1,5 cm breiter Ausschnitt.
Im Bild unten links ist eine Pseudomorphose von Antimonocker nach Antimonit** abgebildet (Bildbr. etwa 5 cm).
Das Foto unten rechts zeigt eine Rarität aus den Steinbruch Reimersgrün: frei auskristallisierter Antimonit auf Calcit (Stufengröße ca. 3,5 x 1,5 x 1 cm).

Homepage | Übersicht | Aktuelles | Fundstellen | Bildergalerie | Mein Verein | Kontakt / Impressum | Links | Site Map


Letzte Änderung am 14.Januar 2012 | vogtlandkristall@web.de

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü