Vogtlandkristall


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Altbergbau bei Gottesberg

Fundstellen > Fundstellen des Altbergbaus

In den weiten Wäldern im Gebiet von Tannenbergstal - Gottesberg - Mühlleithen wurde schon vor über 500 Jahren Bergbau betrieben. Genaue Aufzeichnungen über dessen Beginn existieren heute leider nicht mehr. Das damals zuständige Bergamt zu Falkenstein (gegründet 1516) ging beim Stadtbrand von 1615 mit in Flammen auf und mit ihm auch alle bis zu diesem Zeitpunkt angefertigten Unterlagen des Bergbaus. Ein ähnliches Schicksal hatte auch das 1503 gegründetem Bergamt zu Auerbach. Beide Bergämter wurden durch den damaligen Landesherrn Kurfürst Friedrich den Weisen gegründet. Erst ab dem Jahre 1616 existieren wieder genaue Aufzeichnungen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Bergämter erst dem Bergamt zu Schneeberg, dann dem Bergamt Schwarzenberg und schließlich den Bergamt Freiberg unterstellt. Dabei wurden bei den Stadtbränden 1719 und 1849 in Schneeberg wieder große Teile der Bergakten durch das Feuer für alle Zeiten vernichtet.

Grundlage des Bergbaus bei Gottesberg waren die Vorkommen von Zinnstein und Eisenerz, welche hier am westlichen Rand vom Eibenstocker Granitmassiv und dessen Kontaktbereich zu den Nebengesteinen auftraten. Als erstes wurden die in den Tälern vorkommenden Zinnseifen abgebaut. Von diesen Aktivitäten zeugen noch heute viele Raithalden an den Bächen. Nachdem diese Vorkommen erschöpft waren konzentrierte sich der Bergbau auf das im Berg anstehende Erz. Dieses trat meistens im in Granit steil anstehen, schlauchförmigen Zinngreisen auf. Auf ihnen wurde der Zinnstein erst im Tagebau gefördert. Später folgte dann der Abbau auch unter Tage. In den alten Stollen und den meisten Pingen lassen sich noch Weitungen und Hohlräume finden, welche durch die Abbaumethode des Feuersetzens entstanden sind. Die vielen großen und kleinen Pingen, die alten Schürfe, sowie alte Stollen und Tagesbrüche in den Wäldern sind in unserer Zeit die letzten Zeugen einer langen Bergbauperiode im Gebiet um Gottesberg.

Links: Eine Zinnseife im Abbau (Holzschnitt von 1556 nach Agricola)



Rechts: Der Schneckenstein Ende Mai 2009.
Durch Anklicken des Bildes zeigt sich dessen
wahrer Schatz!

Die kleine Gemeinde Gottesberg, heute ein Ortsteil von Tannenbergsthal, liegt etwa drei Kilometer N-O vom weltbekannten Topasfelsen, dem Schneckenstein, entfernt im Tal der Kleinen Pyra. In den ausgedehnten Wäldern zu beiden Seiten des Tales befinden sich noch viele Spuren einer langen Bergbaugeschichte.
An den nördlichen Talhängen liegen einige der
größten und besterhaltenen Pingen des Vogtlandes. So hat zum Beispiel die ,,Waidgrubenpinge´´ an der Oberfläche eine Ausdehnung von etwa 35 mal 25 Meter. Bei einer ursprünglichen Tiefe von 105 Metern hatte sie in der Tiefe aber nur noch einen Durchmesser von ca. 5 Meter!
In unmittelbarer Nachbarschaft dieser wohl tiefsten Pinge im Vogtland befinden sich neben vielen namenlosen noch weitere große Pingen, wie die
,,Geyerin´´, die ,,Pferdeschacht-Pinge´´, die ,,Waschblei-Pinge´´ oder die ,,Dreikönigspinge´´.
Quer durch dieses Gebiet verläuft der ,,
Hanewalder Gang´´ in etwa O--W Richtung. Hier wurde noch bis 1954 Wolframerz gefördert.
Auf der süd-westlichen Talseite der Kleinen Pyra befindet sich der Grummetstock, ein nach süd-osten ansteigender Bergrücken. Der Zinnstein wurde hier vorwiegend auf 20 bis 40 cm mächtigen Quarz--Turmalingängen abgebaut. Die Randbereiche der Gänge waren teilweise in Greisen ungewandelt, welche ebenfalls Zinnstein führten.
So soll die
,,Alte Grummetstock-Fundgrube´´ zwischen 1644 und 1649 etwa 32 Tonnen Erz geliefert haben. Auf der 1858 neu gegründeten Grube ,,Alter und neuer Grummetstock samt Glücksburg Erbstollen´´ wurden später noch größere Mengen an Wismut gefördert. Auch über das Vorkommen von Kupfer- und Uranerz wird berichtet.
Im Jahre 1947 wurden im Objekt 6 bei Gottesberg die ersten Schürfe und Probebohrungen auf Uranerz durch die SDAG Wismut durchgeführt. Die Bezeichnung
Objekt 6 steht hier als Bezeichnung für das Abbaugebiet der Wismut von den Lagerstätten bei Zobes bis hin zu den Lagerstätten um den Schneckenstein . Am Grummetstock begann dann mit dem Schacht 295 und oberhalb des Ortes mit Schacht 181 der Abbau und die Förderung von Uranerz. Bis zum Ende des Bergbaus 1955 wurden dabei etwa 230 000 Kubikmeter Gestein abgebaut und eine reine Uranmenge von reichlich 56 Tonnen gefördert.
Seit 1955 ruht bis heute der Bergbau um Gottesberg.


Die alten Pingen, Halden und viele Schürfe sind im Bergbaurevier noch gut erhalten und somit bestehen auch heute noch genügend Möglichkeiten zum Auffinden einiger Minerale. Da die Quarz-Turmalingänge zum Teil drusig ausgebildet waren, lassen sich mit Fleiß und etwas Glück insbesondere Quarz und Turmalin (Schörl ) in Einzelkristallen oder auch als Stufen finden. Auch das früher für unnütz gehaltene Wolframerz wurde damals mit auf den Halden verbracht. Zinnstein selber wurde von den Bergleuten gründlich abgesucht und ist deshalb auf den Halden recht selten. (Im Bild links: Zinnstein** vom Grummetstock, Bildbr. ca.4,5 cm)
Anhand von einigen Beispielen möchte ich hier noch einige Mineralienfunde aus dem Zeitraum der letzten 20 Jahre vorstellen. Dabei verzichte ich bewusst auf die Vorstellung so genannter Superstufen. Vielmehr sollen Stücke gezeigt werden, welche auch heute noch in diesem Bergbaurevier gesammelt werden können.



Weitere Informationen über den Bergbau, sowie eine Mineralienausstellung finden Sie im Vogtländisch-Böhmischen Mineralienzentrum unterhalb des Schneckensteins. Gleich in der Nähe befindet sich des Besucherbergwerk ,,Grube Tannenberg´´. In dessen Stollen und abgebauten Zinngreisen können sie die Atmosphäre des untertätigen Bergbaues live erleben. Beide Einrichtungen lassen sich bequem mit dem Bus oder dem KFZ erreichen.


Quarz ist das am meisten vorkommende Mineral im Gottesberger Bergbaugebiet. Auf den alten Halden lassen sich auch heute noch Einzelkristalle und Stufen dieses Minerals finden.

Rechts: Eine sehr schön ausgebildete Stufe von Rauchquarz** in Paragenese mit Turmalin**. Die Quarzkristalle sind von den dünnen Turmalinnadeln (Schörl) teilweise überwachsen, bzw. durchspießen diese regelrecht. Diese Ausbildung und Paragenase beider Mineralien ist für die Grummetstock Fundgrube charakteristisch.
(Stufengröße 10 x 7 x 6,5 cm).









Diese igelförmig ausgebildete Quarzstufe (10 x 9 x 4,5 cm) stammt ebenfalls von der Fundstelle Grummetstock. In den Quarzen sind zum Teil kleine Glimmereinschlüsse in kugeliger Ausbildung, bis zu 1,5 mm Durchmesser; eingelagert.



Zwei weitere Quarzstufen von der Grummetstock Fundgrube sind nachfolgend abgebildet:

Die linke Stufe ist 13 cm breit. Die rechte Stufe besteht zumeist aus Sprossenquarz und ist 12,5 x 10 x 7 cm groß.











Aus der aktiven Bergbautätigkeit des Schachtes 181 / Gottesberg, stammt diese sehr schöne Rauchquarzstufe. (Stufengröße: 8 x 5 x 5,5 cm).

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In diesem Block möchte ich einige besondere Erscheinungsformen der Gottesberger Quarze vorstellen:
( Bilder anklicken)



Bild Nr. 1 zeigt eine 9 cm breite Schwimmerstufe von
Sprossenquarz** vom Hahnewalder Gangzug.


Bild Nr. 2: Von derselben Halde stammen auch diese schönen, bis zu 6 cm langen
Citrine in durchsichtiger und zum Teil auch schleifwürdiger Ausbildung.


Im Bild Nr. 3 wird ein
,,Japaner Zwilling´´ vom Schacht 181 (Haldenfund von 1993) als große Seltenheit vorgestellt. Mit den Maßen von 2,5 x 4 x 0,8 cm ist dieser Zwilling für dieses Fundgebiet auch außergewöhnlich groß! Außen erscheint er rau und angelößt; ist in seinem Innern aber völlig klar.


Die im Bild Nr. 4 abgebildete
Bergkristallstufe ist etwa 8,5 cm hoch. An der Rückseite befindet sich etwas Limonit.


Bild Nr. 5: Ebenfalls vom Schacht 181 und vom gleichen Fund wie der des Japaner Zwillings stammt dieser im Wachstum stark gestörte Bergkristall. Der Kristall ist außen durch Limonit rot-braun verfärbt und hat eine Länge von 6,5 cm.


Bild Nr. 6 zeigt eine weitere Rarität von Gottesberg: Eine 8 cm breite Stufe mit bis zu etwa 2,5 cm großen
Zepterquarzen (!) von der Grummetstock Fundgrube.


Die in den Bildern 7 und 8 abgebildeten Stufen stammen ebenfalls vom Grummetstock. Solche
Sprossenquarze sind für diese Fundstelle typisch.
Die ausgeschwimmerte Stufe im Bild 7 hat eine Höhe von 9,5 cm. Bild Nr. 8 zeigt einen 9 cm hohen, perfekten Kristall. Am Hauptkristall sind schon erste feine Spannungsrisse, welche vermutlich durch Frosteinwirkung entstanden sind, deutlich zu erkennen.





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Turmalin ist im Bergbaugebiet von Gottesberg reichlich zu finden. Als Schörl tritt er besonders reichlich am Grummetstock auf. Charakteristisch sind Turmalinsonnen bis zu mehreren Zentimeter Durchmesser und dünne Kristallnadeln, welche auf den Quarzkristallen aufgewachsen, bzw. im Quarz eingelagert sind oder die Quarzkristalle regelrecht durchspießen. Auch die schwarze Farbe der Turmaline mit einem leichten Stich ins grünliche ist für dieses Gebiet kennzeichnend.





Schörl** und Quarz** auf 10 x 8 x 6 cm großer Stufe. Die im Quarz eingelagerten Turmaline lassen die Quarzkristalle teilweise fast schwarz erscheinen.








Unten links: Auf dieser etwa 17 x 11 x 5 cm großen Quarzstufe erscheinen die vielen kleinen Turmaline wie aufgestreut.

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Unten rechts: Frei ausgebildete Schörlkristalle bilden auf dieser 12 cm breiten Stufe pinselförmige Gebilde aus

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Besonders auf den Halden der ,,Geyerin´´ wurden in den letzten Jahren immer wieder ordentliche Funde von Arsenkies (derb) und von Skorodit gemacht. Kleine Quarze**, eingewachsene Kristalle von Zinnstein und Wolframit lassen sich gelegentlich im derben Skorodit beobachten.


Bild oben rechts: Skorodit in derber Ausbildung mit Kaolin. Stufenbreite 9 cm.
Bild oben links: 9 cm breite Skoroditstufe mit Limonit. Im oberen, mittleren Bereich der Stufe ist der Skorodit als flache radialstralige Aggregate ausgebildet.
Bild unten: Tektonisch stark beanspruchte Quarzkristalle im Gangstück aus Arsenkies und Skorodit.
(Stufenbreite 22 cm)

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Auf der Grummetstock Fundgrube wurde neben Zinn auch Eisen abgebaut. Noch heute lassen sich Stücke von
Limonit und Magnetit finden.
















Die rechts abgebildete Stufe (7 x 6 x 6 cm) besteht aus bis zu max. 1 mm große Magnetit Oktaeder, kleinen Turmalinen und etwas Glimmer.












Die Abbildung links zeigt eine 5 x 4 x 3,5 cm große Stufe, wo der Magnetit als Pseudomorphose (wahrscheinlich) nach Hämatit** (?) vorliegt.





Limonit von Hahnewalder Gang.
Stufengr. etwa 9 x 8 x 4 cm.

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Früher war Wolframit für die ,,Alten´´ ein nutzloses Erz, welches sich bei der Zinnschmelze als negativ auswirkt. Daher wurde das Wolframerz gründlich von Zinnerz getrennt und landete mit auf den Halden. Es läst sich daher immer wieder auf den alten Halden finden.

Die abgebildeten Stücke stammen von der Grummetstock Fundgrube.
Oben inks: Im Greisen eingewachsene Wolframitkristalle bis zu 2 cm Größe.
Oben rechts: Ein 2 x 2 cm messender Wolframit Kristall auf Kaolin.


Die unten abgebildeten Stufen stammen vom Hahnewalder Gangzug.
Unten links: Wolframit in bis zu 3,5 cm messenden Kristallen auf Quarz.
Unten rechts: Wolframit** in Limonit auf Quarz**.(Stufengr. 5 x 5 x 4 cm).






Top!
Quarzdruse mit Zinnstein**, blau-grünem Chalcosiderit in kugeliger Ausbildung und etwas Limonit. Die Quarze sind durch Hämatit zum Teil rötlich gefärbt.(Stufengr. 9 x 6 x 4 cm). Haldenfund von 1989 am Schacht 181, Gottesberg.

Bild unten:
28 cm breites Turmalin Gangstück von der Grummetstock Fundgrube.
Die Turmalinsonnen haben einen Durchmesser von bis zu 4 cm.

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letzte Änderung am 12.01 2018 | vogtlandkristall@web.de

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